Fachanwältin Ruth Unverzagt, Hohenstaufenring 39, 50674 Köln
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Historisches

 

 

 

 

 

 

 

 

"Nur, wer die Vergangenheit

  kennt, hat eine Zukunft."    

                            (Humboldt) 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

                                  

 

 OLG Köln

                                           

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

Grundgesetz

 

 

 

Parlamentarischer Rat  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bedeutende Juristen und Juristinnen

 

Dr. Elisabeth Selbert

22.09.1896 - 9.06.1986

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Marcus Tullio Cicero 

106 v. Chr. - 43 v. Chr.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

Heinrich Heine, geb. als Harry Heine

13.12.1797 - 17.02.1856

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Henri Emile Benoit Matisse

31.12.1869 - 03.11.1954

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dr. Hilde Palm, geb. Löwenstein, alias Hilde Domin

27.07.1909 - 22.02.2006

 

 

 

 

 

 

 

 

                          

Die Väter und Mütter des Grundgesetzes tagten ab 1.9.1948 in Bonn im Museum, genauer gesagt, im Lichthof des Zoologischen Forschungsinstituts und Museums Alexander König. Damals wie heute ist dort normalerweise der Standort für ausgestopfte Tiere. Der Parlamentarische Rat umfaßte 65 Mitglieder; 4 davon waren Frauen.

Die Aufgabe des Parlamentarischen Rats war aktuell und zukunftsweisend: Eine neue staatliche Ordnung sollte entstehen und zwar mit wichtigen Grundsätzen wie z.B. "Rechts- und Sozialstaatlichkeit". Ein Bundestaat sollte entstehen, eine Republik, eine Demokratie, nicht zuletzt ein "offener Staat", der die Möglichkeit haben sollte, sich zu weiten, dh. sich an einer europäischen Integration zu beteiligen. Im Hinblick auf die noch bestehende Teilung Deutschlands sollte zunächst nur ein Provisorium her. Daher nannte man die Verfassung nur "Grundgesetz".

 

 

 

Familienrechtsanwältin, Abgeordnete, eine der Mütter des Grundgesetzes, Vorkämpferin der Gleichberechtigung, Sozialdemokratin

Elisabeth Selbert gelang als Selfmade-Frau - über nachträgliches Abitur im Selbststudium neben Kindererziehung - Jurastudium und Promotion. Sie promovierte über "Zerrüttung als Scheidungsgrund". Mit Glück und Unterstützung zweier Männer bekam sie trotz nationalsozialistischer Umtriebe, die keine Frauen zur Anwaltschaft mehr zulassen wollten, die Anwaltszulassung.

Auf ihrem unermüdlichen klugen Einsatz beruht Art. 3 Abs. I S. 1 GG: "Männer und Frauen sind gleichberechtigt." Trotz aller Widerstände gab sie nicht auf und verwandelte unter Einsatz der modernen Medien (damals: der Frauenfunk) Ablehnung in Zustimmung. Aufgrund des im Grundgesetz verankerten Gleichheitsgebots mußte in der Folgezeit auch das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB), das den praktischen Lebensalltag regelte, angepaßt werden.

Sie arbeitete in ihrer Kanzlei in Kassel, als Anwältin für Familienrecht bis sie 85 war.

 

Jurist, Meisterredner, römischer Konsul, "erster" Anwalt Roms, Verteidiger der Republik

Er lebte in Zeiten des Umbruchs von der Republik zur Monarchie. Mit großer Begabung, exellenter Bildung - auch auf dem Gebiet der Philosophie - und enormem Fleiß arbeitete er sich aus dem Ritterstand (keine Nobilität) hoch bis zu seinem Konsulat 63 v. Chr.

"Quo usque tandem abutere, Catalina, patientia nostra?" (Wie lange noch Catalina, willst du unsere Geduld mißbrauchen?) beginnt seine berühmteste Rede, mit der er erfolgreich gegen den Verschwörer Catalina vorging.

Er sagte auch: " Einen sicheren Freund erkennt man in unsicherer Lage." und:

"Wer neben seiner Bibliothek einen Garten hat, dem wird es an nichts mangeln!"

Er wurde von den Häschern Marc Antons und Oktavians (dem späteren Kaiser Augustus) ermordet.

 

Meisterdichter, Journalist, promovierter Jurist

Der Düsseldorfer begann sein Studium in Bonn, wo er für´s Erste eine einzige Juravorlesung für ausreichend und angemessen befand. Er übersetzte statt dessen Werke Lord Byrons aus dem Englischen. Nach anderen Stationen promovierte er schließlich 1825 in Göttingen zum Doktor der Rechte. Eine Anstellung als Jurist vermochte er trotz Taufe und Übertritt zum Christentum nicht zu erlangen.

Scharfzüngig und engagiert setzte sich Heine gegen Mißstände ein. In seiner Studentenzeit forderte er in eigener Sache sogar zum Duell, da er wegen seiner jüdischen Herkunft diskriminiert wurde, was ihn zunächst den Studienplatz gekostet hatte. -

Heine plädierte für eine verständliche Sprache ..."für die Zaubermacht des verständlichen Wortes..".

Das in damaliger Zeit von ihm zu absolvierende Studium der römischen Kasuistik, die Jurisprudenz, geißelte er im Laufe seines Lebens als die"illiberalste" Wissenschaft, distanzierte sich von Advokasserie und Rabulisterei.

Trotz großer Kritik an seinem Herkunftsland heimatverbunden (Denk ich an Deutschland in der Nacht...) lebte und starb er in Paris - schon damals - seiner Bedeutung als großer deutscher Dichter wohlbewußt.

 

Jurist, "Anwaltsgehilfe",Meistermaler

Kaum zu glauben und wenig erwähnt, aber wahr: Der große avantgardistische Maler des zwanzigsten Jahrhunderts, der auch gegenüber Picasso ein Schwer-gewicht darstellte, hatte eine juristische Ausbildung.

Von 1887 - 1889 absolvierte er zwei Jahre lang eine Art juristisches Kurzstudium, obwohl seine zeichnerische Begabung schon in der Gymnasialzeit erkennbar geworden war.

Danach war er als sog. "Anwaltsgehilfe" juristisch tätig. Zum damaligen Zeitpunkt war "Anwaltsgehilfe" eine Bezeichnung für Anfänger-Anwälte, die den etablierten "alten" Anwälten halfen, selbst aber noch keine Zulassung hatten.

Matisse entdeckte seine Leidenschaft für die Farbe im Krankenbett. Nach einer Blinddarmoperation war er ca. ein Jahr ans Bett gefesselt. Zur Ablenkung wurde ihm ein Malkasten geschenkt. Nachdem er damit die Malerei entdeckt hatte, ließ ihn die Magie der Farbe nie mehr los. Er beendete den Beruf der schwarzen Farbe, jedenfalls der schwarzen Roben, den Beruf der Juristen. Fortan schwelgte er Zeitlebens im Farbgewitter. Matisse benutzte die Farben leuchtend, grell, satt, verwegen neuartig. Sie sprangen ins Auge und hielten den Beschauer fest. Er gehörte zu den "Fauves", den Wilden. Dies bezog sich auf die Farbgebung.

1930 ließ sich seine langjährige Gefährtin, seine Frau Amelie, wegen einer jungen Russin, die ihm Modell saß, nach 31 Jahren Ehe aber doch scheiden.

Als Matisse nach 1941 alt, krank und bettlägrig war, ließ er 1948 zwar den Pinsel los, aber nicht das Gestalten mit Farbe. Leicht und meisterlich führte er nun die Schere und schuf Scherenschnitte (gouaches découpées). Mit den Gouachen hatte er bereits 1942 begonnen. Matisse nannte seine Technik mit der "Schere zeichnen".

Wie zuvor benutzte er leuchtend intensive Farben, wenngleich nun schon direkt auf Papier.  Picasso soll bewundernd zugeschaut haben, als er Matisse am Krankenbett besuchte.

Die blauen Papier-"Frauen und Affen" von 1954, derzeit Museum Ludwig, Köln, gehören zu seinen unbezahlbaren Meisterwerken.

Matisse wußte von seinen Anwalts-erfahrungen zu profitieren. Seine Galeristen soll er bei Vertragsaus-fertigungen das Fürchten gelehrt haben.

Matisse fand sein Glück in der Kunst. Neben der Kunst verstand er es meisterlich, aus der Not eine Tugend zu machen (Lebenskunst).

Juristin, Meisterdichterin

Darf man sie Juristin nennen? Berühmt war sie, ist sie. Jedenfalls war sie in den ersten Jahren Jurastudentin, die bei Radbruch hörte. Die Bilder, die sie in ihren Gedichten verwandte, sind so schlüssig, wie jede Antragsschrift nur sein sollte.

Gerechtigkeit blieb immer ihr Anliegen, auch als sie schon lange Dr. rer. pol. war.

Ihren Ehemann hatte sie glücklich selbst gewählt (Heirat 1936), folgte ihm und unterstützte mit ihren Talenten ein halbes Leben seine Interessen und beruflichen Ziele. Trotz tiefer Ehekrise in späteren Jahren (etwa 1951) ließ sie es zu keiner Ehescheidung kommen. Wenngleich vielfältige berufliche Auslandsaufenthalte wenigstens zeitweise zu räumlicher Trennung  führten.

Sie versuchte nicht mit Scheidung ihr Glück. Hilde Domin begann zu dichten. Hierin verarbeitete sie immer wieder Trennungsschmerz und das Thema Heimat, die sie - nach 22 Jahren im Exil in verschiedenen Ländern - in Köln jedenfalls nie wieder fand. Sie wurde in Köln-Nippes am 27.7.1909 geboren. So gesehen "eh Kölsch Mädcher". (Ob sie auch Kölsch sprechen konnte, ist mir nicht bekannt.) In Köln, in ihrer großbürgerlichen jüdischen Familie, war sie zuhause gewesen. "Gut zuhause", wie sie einmal sagte. Als sie 1934 zunächst mit ihrem späteren Gatten Erwin Walter Palm (Kunsthistoriker, Archäologe) zu Studienzwecken ins Ausland (Italien, Rom) ging, aber wegen Hitlers Machtergreifung von dort direkt ins Exil, war das innere Heimatgefühl so stark, dass es sie in allen Ländern trug.

"Man muss weggehen können/ und doch sein wie ein Baum:/ als bliebe die Wurzel im Boden,/ als zöge die Landschaft und wir ständen fest ... formulierte sie in dem Gedicht "Ziehende Landschaften".

Sie starb hochbetagt, hochgeehrt, dann doch wieder in Deutschland, in Heidelberg, wohin sie 1954 zurückgekehrt war.

 
                                          

 

OLG Köln